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Argentinien per Rad - Feuerland

174 km Radreise - als Teil einer Weltreise mit dem Fahrrad - von der chilenischen Grenze auf Feuerland nach Süden, wegen Felgenbruch die letzten Kilometer per Anhalter bis nach Ushuaia ans Ende der Welt, in den Tierra del Fuego Nationalpark und an den Beagle-Kanal, dann per Flug für knapp vier Wochen in die Hauptstadt Buenos Aires.


Reiseroute

Daten

12.01. - 16.02.2007 / 36 Tage

174 km

609 Höhenmeter

Höchster geradelter Punkt: 126 m

Reisebericht

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Fotogalerie


Bericht

Feuerland

Auf der östlichen Hälfte Feuerlands gings weiter, zum ersten Mal auf dieser Reise an den Atlantik. Das Zelt schlug ich, weil die windgepeitschte flache Ebene nichts anderes bot, in einer Hausruine auf, wo sich schon ein holländischer Radler einquartiert hatte. Zwei Tage würde ich wohl noch brauchen bis Ushuaia, der südlichsten Stadt der Erde. So dachte ich zumindest, bis mir 140 km vor dem Ende der Welt zum zweiten Mal die Hinterradfelge brach! Wie schon auf Tahiti, wo ich sie zuletzt ausgetauscht hatte, war sie längs in der Bremsflanke gebrochen. Fahren also unmöglich, Schieben vielleicht noch ein paar Kilometer. Danach war mir aber ohnehin nicht, also hielt ich den Daumen raus.

 

Nach nicht mal einer Minute hielt ein uralter klappriger Ford Falcon mit den Argentiniern Luis, Andre und Christian drin. Mein Rad packten wir samt Gepäck in den riesigen Kofferraum und schon kurze Zeit später war es abgemacht: wir würden erst mal zu Luis' Onkel in Ushuaia zum "Asado", also BBQ, fahren. Es kamen noch ein paar andere in die einfache Hütte auf den Hängen oberhalb Ushuaias, wir leerten einige Biere und um 2.30 Uhr nachts machten wir uns auf in eine Disco. Cumbia (electronic Latin-Dance-Beat aus Kolumbien), nur Einheimische und keine Touristen, perfekte Nacht! Irgendwann morgens schliefen wir dann ein paar Stunden, bevor wir mit dem Ford Falcon und meinem Rad hintendrin durch Ushuaia cruisten, auf der Suche nach einem Hostel für mich. Die drei mussten morgen wieder zurück nach Rio Grande zum Arbeiten, also bedankte ich mich fuer alles, sagte ciao und fands eigentlich so im Nachhinein gar nicht mehr so schlimm, dass die Felge genau hier und jetzt gebrochen war...

 

Eigentlich hatte ich ja irgendwie ins 3.000 km entfernte Buenos Aires trampen wollen, reservierte mir jetzt aber doch einen Flug für Ende der Woche, auch wenn ich nach einigem Hin und Her mit dem Taxi durch Ushuaia letztlich doch eine brauchbare Felge gefunden hatte.

 

Mit ein paar Leuten aus dem Hostal gings abends durch ein paar örtliche Pubs und Discos. Ich lief im Schneesturm rauf zum Martial-Gletscher, um eine angeblich beeindruckende Aussicht auf Ushuaia und den Beagle-Kanal zu haben, aber wegen Schneesturm sah ich weder den Beagle-Kanal noch den Gletscher selbst.

 

Dann gings in den Tierra del Fuego Nationalpark, noch ein Stück weiter südlich, abgelegen und irgendwie mystisch. In der Ferne schneebedeckte unerforschte Berggipfel, um uns herum dichter moosbedeckter Wald und offene Wiesen, auf denen sich wie in einem Märchen Kaninchen tummelten.

Buenos Aires

Zwei Tage später radelte ich die letzten Amerika-Kilometer zum Flughafen und nachts um 1.00 Uhr war ich weit weg. Weit weg vom Regen, der Kälte und dem Wind, wegen denen ich am Ende wirklich genug gehabt hatte von Carretera Austral, Patagonien und Feuerland. Ich war in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires, 30 Grad, blauer Himmel, Sonne und Großstadtleben wie in Europa. Also ganz genau das, wonach mir im Moment war!

 

Ich hatte das Glück, in einem kleinen, mehr wohngemeinschaftsähnlichen Hostal zu landen. Hauptsächlich Chilenen und Argentinier wohnten hier und zwar fast alle auch für länger und irgendwie gehörte man direkt dazu. Mit Gustavo aus Peru erkundete ich Recoleta, San Telmo und La Boca mit dem berühmten Boca Juniors Stadion, in dem Maradonna groß geworden war. Im Hostal feierten wir Geburtstagspartys, waren nachts oft bis zum Morgen unterwegs in Buenos Aires' Bars und Diskotheken und tanzten die Nacht durch in den besten Clubs. Wir gingen auf Open Air Konzerte, nahmen Tangostunden (was ich aber schnell wieder bleiben ließ...), gingen ins Kino, wanderten in den Massen beim Shopping in Downtown und gingen Joggen im riesigen ökologischen Garten.

 

Mit Gustavo machte ich per Bus einen Abstecher zu den beeindruckenden Iguazufällen im Norden Argentiniens. Nach über 18 Stunden im Bus waren wir da und blieben am nächsten Tag auf der argentinischen Seite der Fälle. Wenn die Erde eine Scheibe wäre, dann würde es wohl an ihrem Rand so aussehen wie in der Teufelsschlucht. Unfassbare Wassermassen stürzen hier von drei Seiten in einen Schlund, wie es wohl nirgendwo auf der Erde etwas Vergleichbares gibt. Den nächsten Tag fuhren wir rüber nach Brasilien, sahen die Fälle von der anderen Seite und stopften uns an einem brasilianischen All-you-can-eat-Buffet voll. Gustavo fuhr über Paraguay und Bolivien zurück nach Peru, ich wieder nach Buenos Aires.

 

Noch immer wartete ich auf mein indisches Visum, bei der Botschaft tat sich nichts. Dies war einer der beiden Gründe, warum ich nicht nach Uruguay fuhr, denn mein Pass lag ja bei der Botschaft. Eine tolle Überraschung war es, als Astrid und Mewes auf einmal in der Tür standen. Und später trafen wir hier auch noch Jeannette und Gerrit wieder, mit denen ich in Bolivien zusammen gefahren war.

 

Mein Paket aus Deutschland mit meinen neuen Reifen kam dann doch noch an, ich bekam endlich mein Visum und irgendwie konnte ich es mir dann in der letzten Nacht vor meinem Abflug nicht nehmen lassen, nochmal in den besten Club von Buenos Aires zu gehen. Aus irgendeinem mir unerklärlichen Grund habe ich dann wohl vergessen, den Wecker zu stellen. Und so war ich Astrid und Mewes ziemlich dankbar, dass sie mich nach drei Stunden Schlaf weckten, hätte ich womöglich noch meinen Flug verpasst... Sachen gepackt, zum Flughafen, eingecheckt, und schon waren meine fast vier Wochen Buenos Aires und meine fast acht Monate Südamerika vorbei. Und ja, bestimmt komme ich wieder. Nos vemos america del sur!

Über Frankfurt nach Indien

Fünfzehn Stunden später landete ich dann in Frankfurt. Zwar hatte ich die Welt damit umrundet, aber mir gefiel der Gedanke irgendwie gar nicht, so quasi während der Reise nach Deutschland zu kommen, und sei es nur für ein paar Stunden. Aber nach einer Dusche wäre mir gewesen. Naja, und als man dann wegen Überbuchung des Fluges nach Bangalore in Indien, auf den ich gerade wartete, Freiwillige suchte, die erst einen Tag später fliegen, opferte ich mich völlig selbstlos, ließ mir eine kleine Entschädigung von 600 Euro in bar auszahlen und bezog mein kostenloses 250-Euro-Hotelzimmer im Steigenberger Airport Hotel, mit Vollpension versteht sich! Und die konnte sich im Steigenberger sehen lassen!

 

Mit dem IT-Experten Murti aus Indien, für den die Entschädigung ein ganzer Monatslohn war, trank ich ein paar Bier auf Kosten von Lufthansa, bevor wir uns auf den Weg in die Frankfurter Innenstadt machten. Und das war wirklich ein komisches Gefühl. Alle sprachen deutsch, zum Glück außer uns. Nach über anderthalb Jahren wieder alles in deutsch zu lesen und zu hören war doch sehr ungewohnt und so war ich irgendwie froh, als wir zum Dinner-Buffet spät abends wieder im Hotel waren. Nach einer Nacht im teuersten Hotelzimmer dieser Reise stiegen wir in den Flieger nach Bangalore, diesmal leider nicht überbucht...


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