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Pamir Highway per Rad

Radreise durch Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan (Kirgistan)

3.196 km von Tashkent in Usbekistan mit Bus-Abstecher nach Samarkand dann per Rad nach Tadschikistan über Berge und Pässe auf den Pamir Highway am Grenzfluss zu Afghanistan entlang, dann durch das Wakhan-Tal zwischen Pamir-Gebirge und dem Hindukusch in Pakistan und weiter nach Norden entlang der Grenze zu China über etliche Pässe nach Kirgisistan, um den See Issyk-Kul herum zur Hauptstadt Bishkek.


Reiseroute

Daten

9.07. - 19.08.2012 / 40 Tage

3.196 km

38.987 Höhenmeter

Höchster geradelter Punkt: 4.655 m

Reisebericht

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Fotogalerie


Bericht

Usbekistan

(10.07. - 12.07.2012, 3 Tage, 249 km, 360 Höhenmeter) Am Flughafen Düsseldorf traf ich Fabian aus Deutschland. Zusammen flogen wir nach Riga in Lettland, wo wir Raul aus Spanien trafen. Wir drei hatten uns im Radforum im Internet zu dieser Reise verabredet. Zusammen flogen wir nach Taschkent, der Hauptstadt von Usbekistan, wo wir mitten in der Nacht ankamen. Wir bauten unsere Fahrräder zusammen, packten unsere Taschen und radelten um 5.00 Uhr morgens los. Es wurde heiß, aber die Straße verlief flach und wir hatten leichten Rückenwind. Trotzdem war es aufgrund des Schlafmangels ziemlich anstrengend und wir waren alle froh, als wir nach 124 km endlich in Guliston ankamen. Nach etwas Schlaf liefen wir noch kurz durch den Ort und gingen etwas essen, bevor wir wieder müde ins Bett fielen.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Taxi 210 km nach Samarkand, der berühmten Stadt an der Seidenstraße, und besuchten den Registan, einen der beeindruckendsten Plätze Mittelasiens mit drei großen Medresen, und andere Sehenswürdigkeiten. Anschließend ging es wieder 210 km mit dem Taxi zurück nach Guliston.

Am nächsten Morgen radelten wir nach Süden Richtung Grenze zu Tadschikistan, aber nervigerweise war nicht nur der Grenzübergang südlich von Jangier geschlossen, sondern auch der etwas weiter östlich bei Bekobod. So blieb uns nichts anderes übrig, als wieder nach Norden abzudrehen und erst bei Buston endlich über die Grenze zu fahren.

Tadschikistan

(12.07. - 31.07.2012, 19 Tage, 1.486 km, 19.757 Höhenmeter) Nachdem wir dann endlich über die Grenze in Tadschikistan waren, nahmen wir uns nach 140 km in Buston ein Zimmer. Am nächsten Morgen ging es dann wieder nach Süden und nach knapp 50 km waren wir wieder an der Grenzstation, an der wir am Tag zuvor schon einmal, wenn auch auf der anderen Seite, gewesen waren. Von nun an ging es langsam aber stetig bergauf. In Istravashan hielten wir für einen Lunch-Stop, bevor wir weiter bis nach Sahriston auf 1.420 m fuhren.

Auch am nächsten Morgen fuhren wir wieder vor 6.00 Uhr los, weiter stetig bergauf auf Asphalt bis auf 2.500 m Höhe und dann weiter anstrengend und staubig über eine üble Piste bis auf 3.378 m. Über eine endlose Rüttelpiste ging es dann ewig bergab, nach 52 Tageskilometern nach knapp 25 km endlich wieder auf Asphalt. Wir passierten Ajni und fanden 20 km hinter der Kreuzung einen tollen Zeltplatz unter Aprikosenbäumen auf 1.600 m Höhe.

Um 4.45 Uhr kroch ich aus meinem Schlafsack und war krank! Alles kam mir oben und unten wieder raus, ich aß nichts und nahm meine Notfall-Antibiotika Tinidazole. Nach einigem Warten der anderen entschlossen wir uns loszufahren. Sehr anstrengend und geschwächt kämpfte ich mich hinauf zum Anzob-Tunnel auf ca. 2.700 m Höhe. Da die alte Passstraße über knapp 3.400 m führte und wir über die Befahrbarkeit nichts wussten, der Tunnel aber teilweise überflutet, mangels Beleuchtung stockdunkel und die Fahrbahn im Tunnel eine Schlaglochpiste übelster Sorte mit teils metertiefen Kratern war, entschlossen wir uns, nicht durch den Tunnel zu radeln. Fabian erwischte einen Pkw, der ihn mitnahm. Raul und mich nahm kurze Zeit später ein Lkw mit. Es war eine weise Entscheidung gewesen. Die Krater waren zum größten Teil geflutet, Teile des Tunnels standen komplett unter Wasser, so dass Radfahren ein Blindflug durch wadentiefes Wasser gewesen wäre, mit der Gefahr, jede Sekunde in einen Krater abzutauchen, den man vorher nicht einmal hätte erahnen können. Die Lkw quälten sich im Kriechtempo durch den stockdusteren Tunnel, in dem aus allen Ecken irgendwoher Wasser kam. Natürlich gab es keine wirkungsvolle Abgasabsauganlage, so dass schon die Fahrt im Lkw ein schaukelnder Ritt war, die Fahrt auf dem Fahrrad eher ein Höllenritt mit ungewissem Ausgang geworden wäre!

Dem Tunnel ohne Schäden am Material entkommen, rollten wir durch atemberaubende Landschaft nach und nach bergab nach Dushanbe auf 880 m, wo es mir abends dann schon etwas besser ging. Gegessen hatte ich noch immer nichts, so dass ich es dann abends mit einer Pizza versuchte. Alles ging gut und ich schlief mich aus am nächsten Tag. Dann lief ich mit Fabian durch die Stadt und besuchte den Shah Mansur Bazaar.

Am nächsten Morgen ging es dann auf den Pamir Highway und somit langsam rauf auf 1.800 m und wieder runter auf 1.100 m und auf staubiger Piste dann wieder weiter bergauf. Zwischen Obigarm und Darband zahlten wir für Essen und einen Schlafplatz. Nachts regnete es und es gab starken Wind. Auf übler Piste ging es den ganzen nächsten Tag rauf und runter. Ich hatte einige Probleme mit platten Schläuchen, weil ich die Reifen vor der Reise nicht getauscht hatte. Nun schien einer von ihnen leider ausgerechnet hier an das Ende seiner Lebensdauer zu kommen und mit seinen brechenden Kevlarfäden Löcher in meine Schläuche zu machen. Hinter Tavildara ging es dann teilweise durch Schlamm und Wasser und anschließend endlich wieder bergauf. Über 3.252 m ging es anstrengend über den Sagirdasit Pass und von dort durch spektakuläre Landschaft holprig und scheinbar endlos 40 km bergab. In Kalaichum erreichten wir die Grenze zu Afghanistan, von wo aus wir dem Grenzfluss Panj durch atemberaubende Bergszenerie folgten.

Zwei Tage ging es weiter über den Pamir Highway durch spektakuläre Landschaft bis nach Khorog auf 2.100 m Höhe. Es war Fabians Geburtstag, aber wir waren alle zu müde zum Feiern und verschoben das auf den nächsten, dann auch radelfreien, Tag. Ich kaufte einen Reifen von sehr schlechter Qualität für den Fall der Fälle, war aber froh, überhaupt einen gefunden zu haben und nahm auch noch einige Schläuche mit. Raul verabschiedete sich hier von uns. Er hatte einen Geländewagen ausfindig gemacht, der ihn mit zurück nach Dushanbe nehmen würde, von wo aus er zurück nach Madrid fliegen würde.

Gegen Mittag machten Fabian und ich uns auf den Weg ins Wakhan-Tal südlich von Khorog. Wir verließen somit den Pamir Highway, der direkt nach Osten führte und es ging hinauf auf 2.450 m und weiter durch spektakuläre Landschaft entlang der Grenze zu Afghanistan, das entlang dieses Tals nur vom Fluss bis zu den Gipfeln der gegenüberliegenden Berge reichte, dahinter konnte man schon die Gipfel des Hindukusch in Pakistan sehen.

In Darshai auf 2.750 m nahmen wir ein Zimmer in einem traditionell eingerichteten Haus und machten uns mit Rucksäcken auf eine Halbtageswanderung auf den Weg zu den hängenden Pfaden, die es aber eigentlich nicht mehr gab. Trotzdem führte der Weg durch grandiose Szenerie auf knapp 3.200 m. Teilweise in Nieselregen und Sturmböen ging es zurück nach Darshai, wo wir ein großartiges Abendessen serviert bekamen und uns dank eines Cousins, der englisch sprach, auch unterhalten konnten.

Am nächsten Tag war der Asphalt nach einigen Kilometern vorbei und es ging auf anstrengender Rüttelpiste rauf und runter durch tolle Landschaft. In Langar ging es dann teilweise nur noch schiebend steil bergauf auf 2.850 m, bevor wir wieder radeln konnten und unser Zelt dann auf 3.265 m 8 km hinter Langar aufschlugen.

Am nächsten Morgen ging es mir wieder schlecht, ich nahm Antibiotika und schleppte mich sehr schwach immer nur einige hundert Meter weit mit dem Rad, so dass wir an einem Hirtenhaus anhielten, an dem ich drei Stunden im Schlafsack schlief. Danach ging es mir besser. Aber es ging sehr anstrengend weiter hinauf auf 3.700 m, wo wir mangels Alternative in peitschendem Wind unsere Zelt aufschlugen. Ich fiel todmüde in mein Zelt. Am nächsten Morgen ging es anstrengend, aber bei blauem Himmel hinauf auf den Hargus-Pass auf 4.344 m, bevor es endlich wieder bergab ging und wir wieder auf den Pamir Highway und damit auf Asphalt stießen!

Einen Tag später trafen wir Patrick und Viktor, die von schweren Zusammstößen in Khorog berichteten, kurz nachdem wir den Ort verlassen hatten. Man hatte den Polizeichef erschossen, der stärker gegen den Drogenverkehr aus Afghanistan vorgehen wollte und daraufhin gab es schwere Gefechte mit Panzern und Maschinengewehren, Ausgangssperren und alle hatten sich in den Zimmern eingeschlossen. Erst nach einigen Tagen hatten die beiden den Ort verlassen können und waren über den kürzeren Pamir Highway hierhergekommen. Zusammen radelten wir weiter Richtung Nordosten. Kurze Zeit später trafen wir noch Annemiek aus Holland, die mutigerweise als Frau allein in dieser Gegend radelte. Zu fünft ging es weiter durch tolle Landschaft nach Murghab auf 3.600 m, wo wir zum Bazaar gingen und etwas herumliefen. Ich ging zum Friseur und am nächsten Mittag fuhren wir weiter. Nach einer Weile trennten wir uns von Patrick, der langsamer unterwegs sein wollte, und kämpften uns auf den Akbajtal-Pass auf 4.655 m, den höchsten Pass dieser Reise. Auf 4.450 m schlugen wir an einem Wasserlauf unsere Zelte auf. Ich hatte Kopfschmerzen und mir war kalt. Nachts war es nur zwei Grad im Zelt, draußen fror es unter Null Grad. Am nächsten Morgen ging es mir besser und bei bestem Wetter fuhren wir über Schotter nach Karakül am malerischen Karakül-See auf 3.950 m mit atemberaubenden Panorama. Mit sehr starkem Gegenwind ging es dann am nächsten Tag nahe der Grenze zu China entlang über einen ersten Pass und dann auf den Grenzpass auf 4.280 m und wieder 20 km bergab auf sehr schlechter Strecke zum kirgisischen Grenzposten.

Kirgisistan

(31.07. - 19.08.2012, 19 Tage, 1.461 km, 12.784 Höhenmeter) Nach den Einreiseformalitäten kämpften wir uns sehr anstrengend gegen orkanartigen Gegenwind nach Sary Tash im Dreiländereck Kirgisien, China und Tadschikistan. Um die Stadt herum lagen schneebedeckte 5.000er und 7.000er-Gipfel.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Annemiek, die weiter nach Kashgar in China fuhr. Wir pedalten auf gutem Asphalt bergauf über einen Doppelpass auf 3.615 m, dann ewig bergab auf 1.550 m, wieder hinauf auf 2.406 m und wieder hinab auf 1.850 m, wo wir 44 km vor Osh zelteten.

In Osh legten wir einen Tag Pause ein, schlenderten über den Bazaar, wanderten durch die Umgebung und tranken abends ein paar Bier zusammen.

In einem Bogen fuhren wir nach Jalal-Abad auf 750 m und dann auf Asphalt noch 50 km auf 1.300 m Höhe. Von da an ging es über Rüttelpiste erst nur mäßig, später in Serpentinen hinauf auf über 3.000 m und über holprige Piste auch wieder bergab auf 1.280 m in Kazarman, hinter dem wir eine zweite Zeltnacht verbrachten. Nach weiteren anstrengenden Kilometern teils ohne Wasser ging es mit atemberaubender Aussicht wieder auf 2.750 m, wo wir auf dem Weg Fabian verloren. Im Gewitter radelten Victor und ich nach Ak-Kyja, wo ich gleich zwei Mal von ein und demselben Hund gebissen werde! Ich erwische den Köter leider nicht und so fahren wir einige Straßen weiter und zelten an einer Moschee. Die Bänder am Unterschenkel tun mir weh, sonst scheint nichts Schlimmeres passiert zu sein. An der Kreuzung bei Ak-Tal bauten wir am nächsten Tag einen Hinweis für Fabian und warteten dort auf ihn. Mittags kam er endlich und zu dritt ging es nach Norden in Richtung Song-Kul-See. Auf 2.250 m stoppt uns der bereits zweite und heftigere Hagelschauer direkt an einer Unterkunft, in der wir in einer traditionellen kirgisischen Jurte übernachten können.

In zehn Serpentinen ging es auf guter Strecke dann am nächsten Tag hinauf auf 3.346 m und in einem Bogen südlich um den auf gut 3.000 m Höhe liegenden Song-Kul-See herum. In der Weite waren nur einige Jurten zu sehen, atemberaubende Landschaft! Es ging wieder 400 Höhenmeter hinauf und dann kalt und mit ein paar Regentropfen bergab auf 2.750 m, wo wir das Zelt aufschlugen. Am nächsten Tag hatten wir endlich wieder Asphalt unter den Reifen! Durch einige Baustellen ging es zum Issyk-Kul-See, den wir mit einer Übernachtung in Kara-Koo am Südufer entlang fuhren bis nach Karakol auf 1.750 m. Dort bekamen wir endlich einmal wieder eine heiße Dusche! Wir legten einen Tag Pause ein, schlenderten über die Märkte und gingen zur chinesischen Moschee und zur Kathedrale.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Fabian, der von hier aus weiter nach Kasachstan wollte. Zu zweit ging es am Nordufer des insgesamt wenig spektakulären Sees entlang auf weiterhin enger und befahrener Straße bis nach Colpon-Ata, wo wir am nächsten Tag einen Strandtag einlegten.

Westlich des Sees ging es durch einen engen Canyon gegen sehr starken Gegenwind. In der Nacht mussten wir unser als idyllisch eingeschätztes Lager an einem Stausee abbauen und versetzen, da der Stausee weiter angestaut worden war und schon Wasser in Victor´s Zelt war. Trotzdem radelten wir am nächsten Morgen früh los und erreichten nach 100 km die kirgisische Hauptstadt Bishkek. Zwei Tage wanderten wir über durch die Stadt und über die Märkte. Wir fuhren zum gigantischen Dordoy Bazaar, einer Stadt aus Containern in zwei Stockwerken, einem Labyrinth von Markt, in dem, wenn man es denn fand, es wirklich alles geben musste!

Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich dann auch von Victor und stieg in das Taxi zum Flughafen.

Es war eine grandiose Reise gewesen, entlang einer der spektakulärsten Straßen dieser Erde und durch atemberaubend schöne Landschaften und mit tollen Begleitern! Es hatte meinem Körper aber auch einiges abverlangt und war alles andere als eine lockere Radeltour gewesen. Und doch würde ich die Strecke trotzdem sofort wieder fahren!


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