Tahiti, Moorea & Bora Bora (10.06.
- 18.06.2006, 9 Tage, 261 km)
Verwendete und empfohlene Bücher und Landkarten (versandkostenfrei!):
Nach einer Nacht am Flughafen in Sydney stieg ich in die Maschine von
Air Tahiti Nui, was angesichts des Namens der Airline schon irgendwie
was besonderes war. So war ich bereit fuer die erste Zeitreise meines
Lebens, denn ich startete Sonntag Vormittag und landete am Vorabend, also
am Samstag Abend, auf Tahiti. Halt nur moeglich, wenn man die Datumsgrenze
von West nach Ost ueberquert.
Nochmal stand also die Nacht von Samstag
auf Sonntag auf dem Programm. Diesmal war es der Flughafen Papeete auf
Tahiti, auf dem ich sie verbrachte. Nachdem ich dann morgens meine beiden
Kartons, einer fuers Rad und einer fuers Gepaeck, fuer die Unsumme von
ca. 34 Euro (und das war schon ein mit meinem ueberzeugensten Laecheln
und den ersten Brocken Franzoesisch erhandelter Sonderpreis!) bei der
Gepaeckaufbewahrung abgegeben hatte, radelte ich die wenigen Kilometer
ins Zentrum zu einem der rar gesaeten halbwegs bezahlbaren Hostals.
Dort angekommen, ereilte mich der erste wirklich kapitale Materialschaden
am Rad auf dieser Tour: Die Hinterradfelge war in der Bremsflanke gebrochen,
bremsen war schon kaum noch moeglich und es wuerde wohl nicht lange
dauern, bis selbst schieben nicht mehr gehen wuerde. Mit Tahiti hatte
sich die Felge natuerlich einen besonders exquisiten Platz ausgesucht,
um ihrem Leben ein Ende zu bereiten, auch wenn man sie da etwas in Schutz
nehmen muss. Denn es war wohl eher der Sand des Mereenie Loops in Australien
gewesen, dem man die Schuld geben muss. Doch es half alles nichts, die
Rundfahrt um Tahiti war damit abgeblasen und Felgensuche stand auf dem
Programm. Doch ungeachtet der doch sehr prekaeren Situation sagte ich
mir "Optimismus ist alles" und lief am naechsten Morgen, noch
bevor irgendein moegliches Radgeschaeft geoeffnet hatte, zum Frachthafen
und organisierte und bezahlte einen Platz auf dem Frachtschiff Vaeanu,
das am Nachmittag Richtung Bora Bora auslaufen sollte.
Zum Glueck gab es ein paar Radlaeden,
auch wenn die meist solche asiatischer Art waren. Also erschreckend
billige Fahrraeder auf Baumarktniveau, ordentlich aufgereiht zwischen
Rasenmaehern, Dieselaggregaten und anderen mir unbekannten grobschlaechtigen
Maschinen. Eine 36-Loch-Felge hatte natuerlich niemand und eine 9-fach
Nabe erst recht nicht, weshalb ich auch keine 32-Loch-Felge nehmen konnte,
so dass alles ganz verdaechtig nach grosser Katastrophe aussah. Nicht
nur, dass ich weder das Frachtschiff um 16h wuerde nehmen koennen, selbst
zum Flughafen wuerde ich mein Rad in sieben Tagen vermutlich kaum noch
schieben koennen. Doch als ich schon eher resignierend den x-ten Laden
betrat, eine klitzekleine Katakombe, aber ohne Rasenmaeher, da sah ich
den Besitzer in der Ecke ein Rad einspeichen und ein kleiner kleiner
Funken Hoffnung stieg in mir auf. Und siehe da, es schien einen kleinen
Gluecksstern zu geben, der fuer mich schien: Aus einer Reihe von nur
fuenf an der Wand haengenden Felgen zueckte er eine hervor, begann zu
zaehlen und als er bei 32 noch nicht fertig war, waere ich ihm mit am
liebsten mit einem dicken Bisous um den Hals gefallen, konnte mich aber
gerade noch beherrschen. Zwei Stunden spaeter konnte ich die mit meinen
Speichen und meiner Nabe neu eingespeichte Downhill-Felge abholen und
kurze Zeit spaeter war ich auf hoher See, auf dem Weg ins Paradies,
nach Bora Bora, dem Synonym fuer das ultimative Suedseetraumziel.
Nach mehr als 17 Stunden fuhren wir
durch die einzige Passage in der tuerkisen Lagune, die die gruen und
dicht bewaldete Insel Bora Bora umgibt. Zum Glueck gabs einen Platz
zum Campen fuer etwa 10 Euro bei den Polynesiern Aldo und seiner Frau,
die mich als einzigen Gast freundlich aufnahm. Angesichts ihrer Mitteilungsbeduerftigkeit
schien der letzte Gast auch schon vor etlicher Zeit abgereist zu sein...
Zwei Tage und Naechte blieb ich, kochte mit Aldos Frau, radelte zwei
Mal um die Insel rum und erlebte polynesisches Dorfleben pur. Ganz anders,
als vermutlich die meisten Besucher der Insel, die bis zu 10.000 Euro
(pro Nacht wohlgemerkt!!!) fuer eines der Luxus-Ueberwasser-Bungalow
ausgeben. Diese befinden sich ueberwiegend auf einer der Koralleninseln,
die den Lagunenring um die Insel herum bilden. Da Bora Bora einer der
wenigen Orte der Erde ist, an dem man mit den majestaetischen, riesigen
Mantarochen tauchen kann, hab ich mich natuerlich nicht lumpen lassen
und mir einen Tauchgang gegoennt. Mantarochen sahen wir leider keine,
dafuer aber tauchte ich mit unzaehligen kleineren Blacktip-Haien und
einigen riesigen Lemon-Haien, die, groesser als wir, im kristallklaren
Wasser neben Riesenschildkroeten um uns herum schwammen.
Gefressen hat mich keiner und der Streik
mit Blockade der Raffinerie und Tankstelle fuer Schiffe auf Tahiti muss
wohl nur wenige Stunden, nachdem die Vaeanu getankt hatte, gestartet
worden sein, denn sie traf planmaessig am naechsten Morgen auf Bora
Bora wieder ein. Ich sandte tausend Merci-Rufe (manche davon auch auf
tahitianisch: Maururu...) an meinen kleinen Gluecksstern, der mich davor
gerettet hatte, einen suendhaft teuren Flug von Bora Bora zurueck nach
Tahiti nehmen zu muessen.
Nachts wieder in Papeete wartete ich
noch einige Stunden auf die erste Faehre zur nah gelegenen Insel Moorea,
wo ich gluecklicherweise ebenfalls zelten konnte. Zwei Tage verbrachte
ich mit radeln, in der Sonne liegen und entspannen, wurde zum tahitianischen
Essen eingeladen und liess die Zeit verstreichen, bevor es zurueck zum
Flughafen auf Tahiti ging. Nachdem ich das Rad wieder auseinandergebaut,
gepolstert und verpackt hatte, beide Kartons eingecheckt hatte, bestieg
ich um 1h nachts die Maschine von LAN Chile Airlines fuer meinen weiten
Weg nach Osten, zum abgelegensten Ort der Erde. Es war eine schoene,
aber viel zu teure und doch zu kurze Zeit in Franzoesisch Polynesien.
Au revoir - le paradis.