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Südafrika (29.11. - 20.12.2007, 22 Tage, 1.393 km)

Laecheln auf meinem Gesicht

Ich ueberquerte den Orange River und reiste damit zum 42. Mal auf dieser Reise in ein Land ein. Spaetestens von hier an konnte man den nach Sueden hin immer staerker werdenden Suedostwind spueren, der mir von nun an zu einem nahezu konstant in mein Gesicht blasenden Begleiter werden sollte. Nach zweieinhalb Tagen Antretens gegen den Gegenwind bog ich auf eine Schotterpiste Richtung Kueste ab, was das Windproblem nicht wirklich beseitigte. Ich fuhr nach Strandfontein, das mit Wochenendcampern, hauptsaechlich aus Kapstadt, geradezu ueberlaufen war. Auf uebler Piste gings weiter an der Kueste entlang nach Lamberts Bay, bevor ich wieder ins Inland zum Clanwilliam Damm fuhr.

Noch ein Tag Pause, bevor es mit Asphalt dann erst einmal wieder fuer einige Tage vorbei sein sollte. Ich fuhr in die Cederberg Mountains, beruehmt fuer seine spektakulaeren Sandsteinformationen und bekannt als erstklassiges Wander- und Klettergebiet. Anstrengend ging es in sengender Sonne und auf uebler Piste teilweise ziemlich steil bergauf. Ueber den Uitkyk-Pass fuhr ich dann nach Sanddrif, Ausgangscamp fuer die beruehmten Wolfberg Cracks und den Wolfberg Arch.

Am naechsten Morgen startete ich dann bepackt mit Rucksack und Tagesverpflegung zu Fuss den Aufstieg zu den Cracks, einigen gewaltigen Rissen in dem den Campingplatz ueberblickenden ohnehin schon imposanten Sandstein-Tafelberg. Es gab einen "einfachen" und einen "schwierigen" Weg. Letzterer war mit einiger ueberraschenderweise gar nicht mal so einfachen Kletterei verbunden und fuehrte durch teilweise sehr enge Spaltrisse, unter gewaltigen Felsbruecken hindurch und erforderte insbesondere an seinem Ende vor allem mit Rucksack etwas ausgekluegelte Kletterei. Daher wurde eingehend davon abgeraten, diesen Weg zu waehlen, wenn man allein unterwegs war. Man kann sich denken, welchen Weg ich waehlte. Konnte ja nichts dafuer, dass niemand da war, mit dem ich haette gehen koennen... :-) Ich schaffte es dann auch bis hinauf auf das Plateau und wanderte durch beeindruckende Sandsteinformation zum Wolfberg Arch, einem riesigen und markanten Felsbogen weiter noerdlich, bevor ich den Rest des Tages damit verbrachte, in den faszinierenden Felsformationen herumzuklettern und spaeter durch den breiteren Riss wieder abzusteigen.

Ueber holprige Pisten gings am naechsten Tag dann weiter nach Sueden ueber den Grootrivier Pass und den Blinkberg Pass und dann ueber einige andere Paesse hinunter und zurueck in bewohnte Gebiete. Damit hatte mich dann auch der Gegenwind wieder fest in seinem Griff. Im Schneckentempo stemmte ich mich gegen orkanartigen Wind, der das Fahren auf den engen Landstrassen zu allem anderen als einer Freude machte. Trotzdem hatte ich mir vorgenommen, so weit nach Sueden zu fahren, wie man auf diesem Kontinent fahren konnte. Ich hatte in einem Ort kurz vor dem Kap uebernachtet, so dass ich am naechsten Morgen ganz alleine war, als ich ueber einige Felsen holperte, die von sich behaupten konnten, die suedlichsten auf dem afrikanischen Kontinent zu sein. Ich hatte das Cape Aghulas erreicht, den suedlichsten Punkt Afrikas, den Punkt, an dem sich der Indische und der Atlantische Ozean treffen. Irgendwie war ich froh, dass weit und breit niemand zu sehen war. Irgendwie war es einfach nur eine felsige Kueste, an der sich die Wellen brachen, wie an jedem anderen Stueck Kueste in der Naehe. Aber irgendwie war es ein ganz besonderer, magischer Ort, denn ich war angekommen. Es war das Ende der langen Fahrt durch Afrika und es war das Ende der langen Fahrt um die Erde. Ich schaute einige Zeit aufs Wasser hinaus, dann war meine Reise in meinem Kopf vorbei.

Ich fuhr nach Westen, es trennten mich noch knapp 400 km vom Kap der Guten Hoffnung und Kapstadt. Ich hielt mich so nah an der Kueste wie moeglich und legte in Hermanus noch einen letzten Tag Pause ein. Von diesem Ort behauptete man, dass es der weltbeste Platz sei, um Wale von der Kueste aus zu beobachten. Die Saison war seit gut einer Woche vorueber, aber erst den Tag zuvor waren wohl noch Wale gesichtet worden. Ich wanderte stundenlang auf den Klippen der Walker Bay entlang, mit meinen Augen unentwegt das Wasser nach diesen so faszinierenden Geschoepfen absuchend. Wale sollte ich an diesem Tage keine sehen, aber die Zeit auf den Klippen tat mir dennoch gut, es war wie ein letztes Mal Luft holen vor dem tatsaechlichen Ankommen.

Am naechsten Tag fuhr ich weiter nach Gordons Bay, wo ich ueberraschend Anna und Anna aus Deutschland wiedertraf, die ich an den Sossusvlei Duenen in Namibia einige Wochen zuvor zum ersten Mal getroffen hatte. Die beiden leisteten hier in Sir Lowry´s Township ein freiwilliges soziales Jahr in einem Kindergarten und einer Art Suppenkueche. Und die wollte ich mir dann natuerlich auch anschauen und so fuhren wir zu Fila´s einfachem kleinen Haus, in dem die Frau ihr Leben den Kindern dieses Townships verschrieben hatte. Es war ein schoener Ort, zu dem die Kinder in Scharen zum spielen, singen und einmal am Tag eben auch zu einer kleinen kostenlosen Mahlzeit kamen. Abends machten wir Braai, grillen auf afrikaans, auf der Terrasse in der WG der beiden, bevor ich mich am naechsten Morgen wieder auf den Weg machte.

Wer von hier ans Kap der Guten Hoffnung wollte, dem blieb nichts anderes uebrig, als weiter an der Kueste der False Bay zu bleiben und damit unweigerlich auch an den suedlichen Townships Kapstadts entlang zu fahren. Vor denen hatte man mich gewarnt, aber wie so oft entpuppte sich die ganze Aufregung als voellig uebertrieben und selbstverstaendlich passierte ich die etwa 20 km lange Strecke voellig ohne Probleme. Mehr und mehr drehte sich die Kuestenstrasse nach Sueden, verliess die letzten Staedte und Ortschaften, es begann etwas zu regnen und ich bog zum allerletzten Mal nach Sueden ab, auf die Strasse zum Kap der Guten Hoffnung.

Das war allerdings im Gegensatz zum Cape Aghulas von Touristen voellig ueberlaufen, mit riesigem Parkplatz und einfach viel zu viel Trubel. Daher fuhr ich denn dann auch, obwohl der Regen inzwischen aufgehoert hatte, nur kurz fuer ein paar Fotos hinunter zum Kap der Guten Hoffnung, dem suedwestlichsten Punkt Afrikas, und machte mich dann schnell wieder auf den Weg nach Norden.

Ich uebernachtete in Simon´s Town, so dass ich Gelegenheit hatte, die einzige Landkolonie des Afrikanischen Pinguins zu besuchen. Erst vor einigen Jahren hatten zwei Tiere dieser seltenen Spezies hier einen schoenen Badestrand in einer kleinen Bucht in Beschlag genommen. Inzwischen tummelte sich eine ganze Kolonie am Boulders Beach.

Am naechsten Morgen trug ich im Hostal mein Rad hinunter, dann meine vier Radtaschen, die Lenkertasche und meinen Rucksack. Ich verankerte die vier Radtaschen am Rad, clickte die Lenkertasche ein und schnallte den Rucksack hinten quer ueber die Radtaschen. Dann schob ich mein Rad durch die Haustuer auf die Strasse, stieg auf und radelte los - zum allerletzten Mal auf dieser Reise.

An der Westkueste entlang fuhr ich in weitem Bogen an den Zwoelf Aposteln und dem Tafelberg vorbei ins Zentrum von Kapstadt zum Backpacker Hostal Ashanti Lodge, wo mir spontan Leo, Radler aus Kanada, beim Schieben meines Rades ueber die Eingangsstufen, also auf meinen allerletzten Metern, half. Bei 45.586 km blieb der Tacho stehen.

Einen Tag spaeter trafen ueberraschend auch Ben und Jessica ein, Radler aus England und Kanada, die ich in Swakopmund in Namibia schon mal getroffen hatte. Ich traf Anna wieder und ich traf Andre und Emile wieder, die ich am Fish River Canyon in Namibia getroffen hatte. Wir zogen durch die Kneipen, kletterten auf den Tafelberg, gingen in der Hout Bay wandern und fuhren zu Kapstadts Straenden. Mit Andre fuhr ich auf eine Open Air PsyTrance Party und an meinem vorletzten Tag traf ich mich fuer eine Tour durch Kapstadt´s Townships mit Andrew und Liziwe, Freunden von Jeannette, einer Radlerin aus Holland, die ich in Bolivien getroffen hatte und die hier in den Townships mit ihrem neu gegruendeten Unternehmen Movingpeople (www.movingpeople.info) Gaestehaeusern beim Aufbau hilft.

Ben war auch seit knapp zweieinhalb Jahren unterwegs gewesen und schon in Namibia hatten wir festgestellt, dass wir genau am gleichen Tag um fast die gleiche Uhrzeit unsere Reisen am Flughafen Kapstadt beenden. Und so fuhren wir am naechsten Tag um 4 Uhr morgens zusammen mit unseren in Kartons verpackten Raedern mit dem Taxi zum Flughafen und checkten ein. Ben war damit der letzte Radler, von dem ich mich auf meiner Reise verabschiedete.

Die Maschine hob ab und ich blickte auf das immer kleiner werdende Kapstadt, den Tafelberg und die Atlantikkueste. Die Sonne schien durch das kleine Fenster und es trat ein Lächeln in mein Gesicht. Denn etwas Unglaubliches war passiert, was ich mein Leben lang nicht vergessen werde: Ich hatte die Welt mit anderen Augen gesehen - ... meinen eigenen!

Vielen Dank an Steffi, Aurore, Loic, Terry, Lasse, Vladimir, Bartek, Dan, Griffo, Jeannette, Gerrit, Harald, Astrid, Mewes, Gustavo, Douglas, Hugo, Karin, Peter und Andre für das gemeinsame Radeln und Reisen und vielen Dank an so viele andere, die manchmal nur ein paar Stunden, manchmal ein paar Tage mit mir verbracht haben und an so viele Menschen ueberall auf der Welt, die so gastfreundlich, hilfsbereit und freundlich zu mir waren. Vielen Dank, dass Ihr Eure Zeit mit mir geteilt habt!


South Africa (29.11. - 20.12.2007, 22 days, 1,393 km)

Smile upon my face

With crossing Orange River I entered a country for the 42nd time on this trip. If not before already, at least from here the southeasterly wind, that was getting stronger and stronger the further south one went, started to become a constantly blowing strong headwind. After two and a half days of fighting against it I took a small turnoff on a gravel road to the coast though this didn´t really cause any changes of this windy problem. I reached Strandfontein, packed with weekend tourists mainly from Cape Town and followed the coast on a rough and sandy gravel road to Lamberts Bay, before turning inland again to Clanwilliam Dam.

I took a day off, before preparing myself for a couple of days of gravel roads. I cycled into Cederberg Mountains, famous for its spectacular sandstone formations and well known as a prime hiking and rock climbing area. It got pretty hot and it was quite exhausting to follow the rough gravel road which was partly fairly steep. I climbed Uitkyk Pass and went to Sanddrif, a camp used as a base to reach the famous Wolfberg Cracks and Wolfberg Arch.

Next morning I started walking, packed with my backpack and food for a day, and climbed to the huge cracks at the impressive sandstone table mountain which overlooked the camp site. There was an "easy" and a "difficult" way. The latter surprisingly required indeed some slightly serious climbing, was partly pretty narrow with tremendous rock arches and in its end one got rewarded with quite tricky climbing passages, particularly when climbing with a backpack. Therefore it was strongly not recommended for those being alone. One can easily imagine which way I choosed as it can´t be my fault, that there was noone around to join me... :-) Well, I made it up to the plateau and hiked through impressive sandstone formations all the way to Wolfberg Arch, a mighty rock arch further north, before spending the rest of the day with climbing and wandering around the fascinating rock formations before descending later by taking the wider crack.

On bumpy roads I kept on going south next morning by following the road over Grootrivier Pass and Blinkberg Pass and later on a couple of passes down and back to inhabited areas. Soon I found myself enjoying a strongly blowing headwind again and fighting against it in not much more than walking pace, what didn´t really make things more comfortable on these narrow highways. Nevertheless I had decided to go as far south as possible on this continent. I had pitched my tent overnight a couple of kilometres north of the Cape and so I had the place all for myself, when pedaling over a couple of rocks which supposedly were the southernmost rocks to cycle on in the whole of Africa. I had reached Cape Aghulas, the African continent´s southernmost point, where Indian and Atlantic Ocean meet each other. Somehow I was pretty happy to be on my own at this place. Somehow it was just an ordinary piece of rocky coast, similar to any other piece of coast nearby. But somehow this place was special, magical, cause this was the end. It was the end of the long haul through Africa and it was the end of the long ride around the globe. I watched the ocean for a while, then in my head this trip was over.

I turned westwards, still about 400 kilometres to go to Cape of Good Hope and Cape Town. I tried to stay at the coast as close as possible and took a last day of rest in Hermanus, which was considered to be the world´s best land based destination for whale-watching. Unfortunately the season was over since about one week already, but the day before people supposedly had still seen whales. I walked along the Walker Bay´s cliff paths for hours, constantly watching the ocean´s surface, hoping to get a glimpse of one of these so fascinating creatures. I didn´t see any whale that day, but the time on these cliffs was good for me though. It was like a final deep breath before eventually and actually arriving.

Next day I moved on to Gordon´s Bay, where I accidentally ran into Anna and Anna from Germany, who I had got to know at Sossusvlei Dunes in Namibia a couple of weeks ago.In Sir Lowry´s Township they were working as volunteers in a kindergarten and a kind of a soup kitchen and, of course, I was pretty keen on giving this kitchen a visit. And so we went to Fila´s simple house, where she had dedicated her life to the township´s children. It was a lovely place, full of kids coming here for playing, singing and once a day for a simple meal for free. In the evening we made Braai, barbecue in Afrikaans, on the balcony of the girls appartement, before I moved on next morning.

The only reasonable way to get from here to Cape of Good Hope is to stay at the coast of False Bay and to pass inevitably Cape Town´s southern townships. I got warned about this "dangerous" area, but as so often before, nothing happened and, of course, I made it all the 20 kilometres between coast and townships without the slightest problems. The road turned south more and more, I left the last towns and suburbs behind me, it started to rain and for the very last time I took a turnoff south, the one to Cape of Good Hope.

But contrary to Cape Aghulas this place was packed with crowds of tourists, had a huge parking area and was simply too busy. Although the rain had stopped in the meantime I just cycled down to the Cape of Good Hope, Africa´s south-western-most point, for a couple of pictures, before I left the place quickly and turned back north again.

I stayed overnight in Simon´s Town for getting the opportunity to visit the only land-based colony of the African Penguin. Only a couple of years ago two of these rare species had conquered a beautiful beach in a tiny bay nearby. Right now an entire colony called Boulders Beach its home.

Next morning in the hostal I carried my bike down the stairs, followed by a second run with my four bike panniers, the handle bar bag and my backpack. I mounted the panniers and the handle bar bag and packed the backpack on top of the two rear panniers. Afterwards I pushed my bike onto the street, got on it and started cycling. I started for the very last time on this trip.

I followed the west coast and made a last long loop around the Twelve Apostles, Table Mountain and into Cape Town downtown to Ashanti Lodge Backpacker Hostal. Spontaneously Leo, cyclist from Canada, gave me a hand with pushing my bike up the stairs on my very last metres. The computer stopped with 45,586 km.

Next day surprisingly Ben and Jessica, cyclists from England and Canada, who I got to know in Swakopmund, Namibia, arrived as well. I met up again with Anna and with Andre and Emile who I had met before at Fish River Canyon in Namibia. We went for night strolls through bars, climbed Table Mountain, hiked at Hout Bay and went to Cape Town´s beaches. With Andre I head for an Open Air PsyTrance Party and on my last remaining day for a township tour I met up with Andrew and Liziwe, friends of Jeannette, a cyclist I had met in Bolivia, who is helping guesthouses here in the townships with her recently set up company Movingpeople (www.movingpeople.info).

Ben had been on the road for about two and a half years as well and in Namibia already we had figured out that we were going to finish our trips at exactly the same day at nearly the same time at Cape Town Airport. And so we catched a taxi together, in the back our bikes packed in boxes, went to the airport at 4 a.m. and checked in. Therefore Ben was the last cyclist I had to say goodbye to on this trip.

The plane took off and I watched Cape Town, Table Mountain and the Atlantic Coast, slowly getting smaller and smaller. The sun was shining through the tiny window and it put a smile upon my face. Because something incredible had happened, that I´ll carry throughout my life for good: I had seen the world through different eyes - ... my own ones!

Thank you to Steffi, Aurore, Loic, Terry, Lasse, Vladimir, Bartek, Dan, Griffo, Jeannette, Gerrit, Harald, Astrid, Mewes, Gustavo, Douglas, Hugo, Karin, Peter and Andre for cycling and travelling together with me and thank you to so many others, who partly spent just a couple of hours, partly a couple of days with me and to so many people from all over the world who have been so hospitable, helpful and friendly to me. Thank you all so much for sharing your time with me!



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