Indonesien (08.08.-28.09.2005, 52 Tage, 2.607 km)

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Bali (08.08. - 14.08.2005, 7 Tage, 251 km)
Auf Bali radelten wir dann gemeinsam los von Kuta aus in den Norden, wo man als Tourist noch eine Attraktion ist. Nicht nur auf Bali faehrt man durch Spaliere von Hunderten von "Hello Mister" schreienden Kindern und lachenden und gruessenden Erwachsenen. Man ist also fast ununterbrochen am gruessen. Von schoenen Reisterassen und Tempelbauten im Inland von Bali ging es dann an der Nordkueste nach Osten, wo ich am Wrack der USS Liberty tauchen ging.

Lombok (14.08. - 21.08.2005, 8 Tage, 295 km)
Dann gings mit der Faehre nach Lombok, wo ich erst den Suedwesten erkundete und wir dann Aurore und Loic, Radler aus Frankreich, trafen, die uebrigens die ersten und bislang einzigen Reiseradler waren, die wir in Indonesien trafen. Seitdem radeln, schwitzen und gruessten wir zu Viert. Zusammen charterten wir ein kleines Boot um auf die kleine Insel Gili Air ueberzusetzen. Dort, ohne Strassen, Autos oder Mopeds, haben wir 2 Tage Pause mit Schnorcheln und Erholen verbracht. Eigentlich wollten wir dann auf den Vulkan Mount Rinjani wandern, was aber 3 Tage und 2 Naechte gedauert haette. Leider haben wir das dann schweren Herzens aus Zeitgruenden nicht gemacht. Stattdessen gings dann weiter an der Nordkueste bis nach Anyar, wo wir aufgrund nicht vorhandener Unterkunftsmoeglichkeiten in der Polizeistation im Buero (wenn man das so nennen will...) uebernachten konnten. Das fuehrte zu einem tollen Abend mit den Polizisten, einigen anderen aus dem Dorf und Brem (Reiswein...). Spaeter gings noch zu einem traditionellen Sasak-Tanz.

Sumbawa (21.08. - 26.08.2005, 6 Tage, 420 km)
Einige Tage spaeter setzten wir dann mit der Faehre nach Sumbawa ueber, wo wir in Sumbawa Besar, dem Hauptort der Insel, Mr. Syamsun kennenlernten, ein Lehrer an der oeffentlichen Secondary School, der auch eine eigene kleine private Schule fuer Sprachen und Computer aufgebaut hatte. Und in die lud er uns dann auch gleich ein. So uebernahmen wir zu Viert gleich die erste Englischstunde. Spaeter wurden wir dann noch zu seiner Familie eingeladen, so dass es mal wieder spaeter wurde. Am naechsten Morgen um 7 Uhr gings dann zur oeffentlichen Schule und seitdem koennen wir erahnen, wie es sein muss, ein Star zu sein: In vier Klassen empfing uns Gekreische und Begeisterung. Den Unterricht legten wir an der gesamten Schule bis 11 Uhr voellig lahm. Wir gaben hunderte von Autogramme und mussten unzaehlige Gruppen- und Einzelfotos schiessen, weil jeder ein Foto von sich selbst mit einem von uns haben wollte, sogar der Direktor der Schule selbst... Irgendwann reichte es uns dann und wir gingen etwas essen. Das kostete uebrigens umgerechnet etwa 0,20 EUR bis 0,70 EUR fuer eine ganze warme (oder auch kalte) Mahlzeit. Ein Doppelzimmer kostete so etwa 2 EUR bis 6 EUR pro Nacht, meist mit kleinem Fruehstueck.

Komodo (26.08. - 28.08.2005, 3 Tage, 0 km)
Nach zwei weiteren heissen und anstrengenden Tagen durchs Inland von Sumbawa gings dann mit einer kleinen gecharterten Nussschale nach Komodo, wo die letzten grossen Warane dieser Erde leben, die Komodo-Warane, und von da aus dann weiter nach Flores. Diese Fahrt verlief zunaechst nicht ganz so, wie wir uns das vorgestellt hatten, aber dazu gleich mehr...

Selamat malam aus Maumere, unserer letzten Station auf der Blumeninsel Flores. Diese war die bislang schoenste, aber auch anstrengendste Insel Indonesiens, da es andauernd teilweise unglaublich steil mit Steigungen von ueber 20% von 0 auf ueber 1.000 m rauf und wieder runter ging. So wird sie denn auch wegen ihrer Strassenverlaeufe die "Schlangeninsel" genannt.

Aber jetzt zuerst mal einige Infos dazu, wie wir nach Flores gelangten:
Nach langwierigen Verhandlungen am Hafen von Sape auf Sumbawa haben wir uns endlich auf den Preis von 1 Mio. Rupiah (ca. 85 EUR) zu Viert fuer die dreitaegige Fahrt von Sumbawa ueber Komodo nach Flores geeinigt. Die Baburdi, etwas altersschwach, klein, und natuerlich ohne richtige Kajuete, Toilette, Strom, eigentlich ohne alles, also auch ohne so unwichtige Dinge wie Positionsleuchten oder gar Scheinwerfer oder Navigationsinstrumente, wurde dann von uns am spaeten Nachmittag, nachdem man uns versichert hatte, dass die Fahrt auf hoher See auch nachts kein Problem sei, beladen und bestiegen. Nach stundenlanger Fahrt durch die Nacht und aufgekommenem Nebel sah das dann aber wohl anders aus. Er koenne den Weg nach Komodo nicht finden, so unser Kaept'n Masnin. Also kehrten wir wieder um. Doch auch den Hafen von Sape konnte er nach erneut stundenlanger Fahrt im Nebel nicht finden. Also hiess es irgendwo Anker werfen, schlafen und auf den Sonnenaufgang warten. Um 4.00 Uhr gings dann wieder los, erneut Richtung Komodo, das wir dann nach knapp 12 Stunden Fahrt (angekuendigt war eine Fahrzeit von 6 Stunden...) in bruetender Hitze erreichten. Schwankenden Schrittes erkundeten wir mit einem Ranger einen Teil der doch sehr grossen und weitlaeufigen Insel, die quasi vollstaendig Nationalpark ist und auf der sich die Komodo-Warane, die letzten Riesenechsen dieser Erde, frei bewegen koennen. Etwa 1.600 gibt es noch. Wir hatten das Glueck, vier davon zu entdecken und ganz aus der Naehe betrachten zu koennen. Unglaublich beeindruckend und unvergesslich!

Flores (28.08. - 10.09.2005, 14 Tage, 641 km)
Am naechsten Morgen, nach einem ausgiebigen Schnorchelstop am Pantai merah (Red Beach), einem Traumstrand auf Komodo mit unfassbarem Korallen- und Fischreichtum ging es dann mit der Baburdi weiter nach Flores. Nach ca. 7 Stunden erreichten wir den Hafen von Labuhan Bajo und verabschiedeten uns von Masnin, Saridin, Dean und der Baburdi. Dummerweise gabs am naechsten Tag ein Nationalfest, so dass alle Unterkuenfte restlos ausgebucht waren. Weiter fahren konnten wir auch nicht mehr, doch zum Glueck lud uns Augustus zu seiner Familie nach Hause ein. Umgeben von pausenlos neuem Besuch, einer mehrkoepfigen Rasselbande und mit Spitzenverkoestigung von Juliana, Augustus' Frau, blieben wir gleich zwei Tage lang, um uns am naechsten Tag Caci, einen traditionellen Kampftanz der Manggarai, der zwei volle Tage von morgens bis abends andauerte, anzusehen. Ein ungewoehnliches Erlebnis, da das natuerlich keine fuer Touristen inszenierte Veranstaltung war, sondern fesselnde aber auch blutige Tradition, bei der wir die einzigen Auslaender weit und breit waren.
Dann ging es aber weiter Richtung Osten, doch schon nach 5 km passierte das, was bei dem sonst eher chaotisch durchschaubaren Verkehr nicht unbedingt zu erwarten gewesen waere: Ich werde von einem Motorrad angefahren!!! Doch ausser einer geprellten Hand, einigen leichten Schuerfwunden und einem gebrochenen Aussenspiegel war zum Glueck nichts weiter passiert! Mit teilweise unfassbar steilen Teilstrecken mit Steigungen ueber 20% gings dann die naechsten Tage rauf und runter, anstrengend, aber schoene Ausblicke. In den Orten ueber 1.000 m war es dann nachts doch ungewohnt kuehl.
Einige Tage spaeter in Nagaroro an der Suedkueste Flores trafen wir auf Margarete, eine streng glaeubige Katholikin, die uns in ihr Haus einlud.
Trotz mehrfacher Versicherungen unsererseits, dass wir natuerlich alle verheiratet seien und in einem Zimmer schlafen koennten, duldete sie keine Widerrede und verfrachtete Maennlein und Weiblein voneinander getrennt in zwei Zimmer... Aber nicht nur, dass sie unheimlich nett und gutmuetig war, sie konnte auch unglaublich gut kochen und so sassen wir sowohl am Abend, als auch am naechsten Morgen wahren Bergen koestlichen Essens.
Natuerlich bedankten wir uns, so wie bei allen bisherigen Einladungen, wie es sich gehoert mit einem Gastgeschenk. Auf schoener Strecke gings ueber "Ende" weiter nach Moni am Mount Kelimutu mit den drei Kraterseen mit verschiedenen Farben, die sich auch immer wieder unvorhersagbar aendern. Zur der Zeit waren sie schwarz, braun und tuerkisgruen.
Um in den Genuss eines Sonnenaufgangs auf dem Gipfel zu kommen, machten wir uns nachts um 2.00 Uhr im Dunkeln mit unseren Raedern auf den Weg die 14 km lange Serpentinenstrasse hinauf und einen halbstuendigen Fussmarsch auf den Gipfel. Natuerlich waren wir viel zu frueh, dafuer aber die Ersten...
Wunderschoen wurde es langsam hell und die drei Kraterseen direkt unter uns wurden langsam sichtbar. Nach vielen Fotos gings zurueck zum Bungalow, denn der Wasserfall mit natuerlichem Pool wartete schon auf uns. Hier trafen wir auf Sandra und Louis aus Holland, die fuer einen Monat durch Flores radelten.
Unverhofft sahen wir uns dann am naechsten Tag in Paga Beach wieder, einer winzigen und einfachen Bungalowansammlung direkt am Meer gelegen. Gleich zweimal bekamen wir dort den besten Ikan Bakar (gegrillten Fisch), den wir jemals gegessen hatten!

So blieben wir noch einen Tag laenger zum Relaxen und dann gings nach Maumere, wo wir die Faehre nach Surabaya auf Java nehmen wollten und wo wir hofften, dann eine weitere Faehre nach Sumatra zu finden. So hiess es also Abschied nehmen von Aurore und Loic, die in drei Tagen ueber Bali weiter nach Vietnam fliegen wuerden. Es war eine schoene Zeit!

Java (12.09. - 15.09.2005, 4 Tage, 38 km)
Fuer drei Tage und zwei Naechte war die Faehre von Maumere auf Flores nach Surabaya auf Java fuer Steffi und mich unser Zuhause. Wider Erwarten sogar mit einem Liegeplatz in einem Schlafsaal und drei Mal taeglich einer kargen Mahlzeit. In Surabaya gings dann am naechsten Tag gemeinsam zum Bahnhof und mit dem Zug ueber Nacht dreizehneinhalb Stunden nach Jakarta.

Sumatra (17.09. - 28.09.2005, 12 Tage, 962 km)
Einen weiteren Tag spaeter bestiegen wir in der Hauptstadt die ziemlich heruntergekommene PELNI-Faehre KM Lawit, die uns innerhalb von zwei Tagen und zwei Naechten nach Padang an der Westkueste Sumatras brachte. Waeren es nur die Kakerlaken gewesen, die in buchstaeblich jeder erdenklichen Groesse pausenlos und ueberall an Bord herumliefen, dann waere es ja noch ertraeglich gewesen. Jedoch verstopfte und ueberschwemmte Toiletten, nicht vorhandene Waschmoeglichkeiten, Muellberge und Latrinengestank ueberall sowie zerfressene Matratzen machten die Schiffsfahrt zu einem eher zweifelhaften Vergnuegen. Aber auch das ging vorbei und so sassen wir genau sieben Tage, nachdem wir auf Flores mit der Faehre gen Westen gestartet waren, wieder im Sattel.

Von nun an gings zu zweit durch unberuehrte Regenwaelder, die Luft war erfuellt von zahllosen unbekannten Geraeuschen, wir sahen ueberall Tiger, Schlangen, Sumatra-Nashoerner und viele seltene Blumen in allen erdenklichen Farben...
Tja, also irgendwo zwischen dieser ziemlich naiven Vorstellung von Sumatra und der Realitaet lagen unsere Erwartungen. So war es denn deutlich gruener und feuchter als auf den bisherigen Inseln, aber exotische Tiere und Pflanzen haben wir quasi keine gesehen. Unberuehrt sind auf Sumatra fast nur noch geschuetzte Reservate. So fuhren wir denn auf dem Trans-Sumatra-Highway Richtung Norden hinauf auf ueber 1.000 m Hoehe ins Inland. Allein mit der Natur war man allerdings nie, da der Highway fast durchweg durch bewohnte Gebiete und Staedte verlief. Ueber Bukittinggi gings am zweiten Tag in Hitze und subtropischem Klima weiter nach Norden und auf einmal waren es nur noch 100 m, die wir in Erwartung des grossen Augenblickes langsam ausrollen liessen. Dann war es soweit: Wir ueberquerten mit unseren Raedern den Aequator! Wer sich mal die Weltkarte zur Hand nimmt, wird feststellen, dass es gar nicht so viele Strassen gibt, auf denen das moeglich ist und es sollte noch sehr lange dauern, bis ich ihn das naechste Mal auf dieser Reise ueberqueren wuerde. Nach langwierigen Verhandlungen erstanden wir zwei Erinnerungs-T-Shirts und ab dann gings auf der Nordhalbkugel der Erde weiter.
Am naechsten Tag gingen wir zu Fuss durch Primaerdschungel im Rimbo Panti Reserve. Aber so richtiges Dschungeltrekking wie wir es uns vorgestellt hatten, war es leider nicht. Bis auf ein paar Affen und Haufen von Muecken gabs nicht allzuviel zu sehen. Fuer die Natur wahrscheinlich auch besser so...

Unser naechstes Ziel war dann der Toba-See mit der Insel Samosir. Nach anstrengenden Tagen durch die Berge lag er dann endlich unter uns auf knapp 1.000 m Hoehe. Mit einem kleinen Boot gings auf Samosir Island, auf der von der einst grossen Travellerszene nicht mehr viel geblieben war. Im Hauptort Tuk Tuk reihten sich leer stehende und langsam verfallende Unterkuenfte aneinander. Schnell war daher eines der traditionellen Batak-Haeuser, die unter anderem als ortstypische Unterkuenfte angeboten werden, fuer uns gefunden. Sehr urig! Frueh am naechsten Morgen nahmen wir die 130 km lange, die Insel umrundende Strasse in Angriff. Doch es sollte zur Tortur werden.
Bis auf ueber 1.500 m kaempften wir uns auf uebelster Kiesbettpiste, fuer normale Fahrzeuge quasi nicht befahrbar, in steilen Kehren hinauf. Teils mit Schieben gings durch Schlammloecher, Matsch und auf flussbettaehnlicher Strecke im Schneckentempo bergauf und bergab, so dass wir erst am spaeten Nachmittag voellig fertig wieder auf Asphalt trafen. Schlamm verschmiert gings zwei Tage spaeter mit dem Boot zurueck nach Parapat und in zwei weiteren Tagen durch endlose Palmplantagen die letzten unserer 1.000 Sumatra-Kilometer bergab nach Tanjungbalai an der Ostkueste.

Noch ein kurzer Schock, als man uns weismachen wollte, dass wir nur 200 km weiter noerdlich ausreisen koennten, doch nachdem wir auch das geklaert hatten, gings dann am naechsten Tag mit einem Passagierboot nach Port Klang, dem Hafen von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur.

Nach nun fast zwei Monaten Indonesien, waehrend derer ich zahllose unendlich freundliche und offene Menschen kennenlernte, dabei aber doch ununterbrochen das Ereignis des Monats oder sogar Jahres war, freute ich mich nun doch auf Malaysia. Selamat tinggal Indonesia, ganz bestimmt komme ich irgendwann mal wieder!



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