Tag 15: 17.09.03

Um 8.30 Uhr starten wir Richtung Viseu und erfahren hautnah, wofür die EU-Gelder in Portugal unter anderem verwendet werden: Zum Straßenbau. So fahren wir etliche Zeit vorbei an riesigen Baustellengebieten, in denen eine neue Autobahn gebaut wird. Täler werden mit monströsen Brücken überspannt, von denen jeder einzelne Pfeiler eine eigene Großbaustelle ergibt.

Durch relativ viel Verkehr geht es bergauf und bergab immer in Sichtweite der für die künftige Autobahn begradigten Landschaft. Ursprünglich hatten wir geplant, um Viseu auf der Umgehungsstraße herumzufahren, doch die ist als Schnellstraße für Radfahrer verboten und so fahren wir den Umweg direkt durch die Stadt und dann auf einer Nebenstrecke hinunter auf 260 m über dem Meeresspiegel. Dort überqueren wir eine altersschwache inzwischen gesperrte Brücke, und haben deshalb ab da die Straße vorerst für uns alleine.

In inzwischen wieder brütender Hitze fahren wir bergauf und bergab und durch verbrannte Tiefebenen mit noch teils schwelenden Bränden und Rauchsäulen neben der Fahrbahn. Brandgeruch und schwarz wohin man schaut vermitteln ein seltsames Gefühl beim Radfahren, so dass wir froh sind, dieses Gebiet bald verlassen zu haben. In Gouveia speisen wir in einem Restaurant an einer Tankstelle fürstlich zu einem absolut unschlagbaren Preis. Für insgesamt 9 EUR erhalten wir 4 Cola, 4 Schnitzel, Pommes Frites für beide, Salat für beide, Obstdessert, Brot mit Käse und Oliven und das alles serviert von dem sehr netten portugiesischen Inhaber, der sich freut, seine gar nicht so schlechten Deutschkenntnisse an uns ausprobieren zu können. Solche Gelegenheiten ergeben sich in Portugal häufig, wenn man sich nur außerhalb der typisch touristischen Gegenden wie Lissabon, Porto oder natürlich die Algarve bewegt.
Mehr als gestärkt radeln wir die letzten Kilometer bergauf nach Gouveia auf 655 Höhenmeter, wobei gerade die letzten davon noch einmal richtig in die Beine gehen. So hält sich unsere Freude auch in Grenzen, als wir erfahren, dass der anvisierte Campingplatz noch weitere 4 km bergauf auf 975 Höhenmeter liegt. Sehr anstrengend und steil geht es die letzten der heutigen 82 km auf einem kleinen Fahrweg zu dem Platz. Dort werden wir freundlich begrüßt und nach einigem Hin und Her mit Gestik und Mimik aufgrund unserer mangelhaften Portugiesischkenntnisse haben wir es geschafft, dem Inhaberpärchen, das leider weder Englisch, Französisch noch Spanisch spricht, zu erklären, dass wir am nächsten Morgen sehr früh starten wollen und deshalb gerne im Voraus bezahlen würden.
Denn wir wollen morgen mit dem Rad auf den höchsten Punkt Portugals fahren: Dem 1.993 m hohen Torre. Nachdem extra für uns noch einmal der kleine Shop geöffnet wurde, damit wir unsere Frischwasservorräte auffüllen können, liegen wir früh im Zelt und sind gespannt auf den morgigen Tag.