32 Tage Norwegen per Rad
30.07. bis 30.08.2002


Tag 30: 28.08.02

Am Morgen ist es noch immer etwas bewölkt, aber wir frühstücken ohne Regen. Nachdem wir alle Taschen, Packsäcke und die Räder wieder nach oben zur Strasse gewuchtet haben, geht es weiter um den See herum zur E16, die uns schliesslich heute nach Oslo führen soll. Zwei längere, für Radfahrer gesperrte Tunnel müssen wir auf der alten Strasse umfahren. Das bedeutet zwar wieder Umwege, aber so fährt es sich deutlich entspannter, denn die alte Strasse ist kaum befahren und so radeln wir gut gelaunt nebeneinander einen letzten Bergkamm vor Oslo hinauf. Oben angelangt rollen wir mehrere Kilometer auf der Einfallstrasse mitten in den Großstadtdschungel hinein und kämpfen uns schon kurze Zeit später sehr stressig und anstrengend über den E18-Stadtring ins Zentrum.

Dort angekommen halten wir zunächst einmal am Tourist Office, denn wir müssen bis morgen abend am Flughafen Torp sein, denn übermorgen früh geht unser Flug. Also heisst es, die Möglichkeiten, die sich uns bieten, abzuwägen. Darüber geraten wir etwas in Streit. Die stressige Fahrt durch den Feierabendverkehr tut ihr Übriges und unsere Laune sinkt auf bislang unerreichte Tiefen. Was bleibt uns? Wir könnten versuchen, noch heute direkt in Richtung Torp loszufahren, dann würden wir es vielleicht mit ordentlichem Tritt in die Pedale irgendwie bis morgen abend schaffen. Doch zum einen wären wir dann völlig umsonst nach Oslo hinein gefahren und zum anderen würden wir uns einem immensen Zeitdruck aussetzen und würde irgendetwas dazwischenkommen, würden wir unseren Flug verpassen. Wir könnten auch morgen einen Bus bis nach Torp nehmen und uns heute noch die Stadt anschauen. Doch der Preis für den Bus ist selbst nach mehreren Fahrten vom Tourist Office zum Busterminal und zurück, immer durch den dichten Feierabendverkehr, nicht herauszubekommen. Schliesslich, als wir zum zweiten Mal zum Busterminal fahren, haben wir Glück und ergattern einen kleinen Prospekt des Betreibers dieser Buslinie. Also beschliessen wir, zunächst einmal zum Campingplatz zu fahren, um die Ausrüstung und die Zelte dort zu lassen und dann doch noch Oslo zu erkunden. Doch wir fahren einen gewaltigen Umweg und kämpfen uns an endlosen Autoschlangen vorbei einmal um den Hafen herum und den westlichen Hügel Oslos hinauf. Nach schier endloser Fahrt erreichen wir den Campingplatz Ekeberg und sehen auf einem Prospekt, dass wir ihn ganz leicht in wenigen Minuten hätten erreichen können. Wir haben durch den Umweg bereits viel Zeit verloren, so dass die Besichtigung Oslos wohl nur noch sehr kurz und stressig möglich wäre und der stolze Preis von 130 NOK für den Zeltplatz tut sein Übriges, so dass wir ziemlich entnervt beschliessen, diesen Preis nicht zu zahlen und doch schon heute den Bus nach Torp zu nehmen.

Zeltplatz am Flughafen Torp

Also laden wir gegen 19.30 Uhr am Busterminal unsere Räder und unser Gepäck in den Bus und steigen ein. Diese Buslinie wird von einem gesonderten Betreiber extra für den Transfer zum Flughafen Torp betrieben und
eigentlich kostet der Transport eines Fahrrades den geradezu unverschämten Preis eines normalen Erwachsenentickets. Also sollen wir neben den 220 NOK für uns ausserdem noch einmal 220 NOK für unsere Räder zahlen. Doch wir sehen nicht ein, warum andere Fahrgäste kistenweise Gepäck kostenlos mitführen dürfen und unsere Räder extra kosten sollen. Wir fragen uns, was denn wäre, wenn wir die Räder vorher in grosse Kartons gepackt hätten, so dass sie als solche nicht mehr zu erkennen gewesen wären. So oder so sind wir nicht bereit, diesen Aufpreis zu bezahlen und so behaupten wir einfach dreist, dass die Mitarbeiterin an der Hotline gesagt hätte, dass der Transport der Räder kostenlos sei und darauf würden wir jetzt auch bestehen. Dazu wedeln wir mit unserem orangenfarbenen Prospekt von der Betreibergesellschaft, auf dem auf der Rückseite die Hotline vermerkt ist, bei der wir aber natürlich nie angerufen haben. Da wir uns sowohl weigern, den Aufpreis zu zahlen, als auch die Räder und das Gepäck wieder auszuladen und die Schlange hinter uns vorne beim Einstieg in den Bus immer länger wird, gibt der Fahrer schliesslich nach und wir gehen grinsend nach hinten auf unsere Sitzplätze. Dieser kleine Erfolg hat uns gerade an diesem heutigen Tag gut getan.

Gegen 21.20 Uhr treffen wir am Flughafen ein. Die grösstenteils britischen Fahrgäste eilen zu ihrem Flug nach London und wir stehen in der Dämmerung vor dem Flughafengebäude und bepacken unsere Räder. Schnell ist klar, dass wir eine Laterne brauchen, denn wir haben Hunger und wollen noch kochen. Also fahren wir rechts am Gebäude vorbei und radeln die letzten Meter der heutigen 77 Radelkilometer zum äussersten Ende des Parkplatzes. Die letzte Laterne beleuchtet das angrenzende Stück Boden mit hohem Gras, direkt an einem Waldstück gelegen, und so steht die Entscheidung schnell. Nur wenige Meter von der Start- und Landebahn entfernt bauen wir unser Zelt auf und beginnen zu kochen. Es schmeckt auch unter dem Getöse der startenden und landenden Maschinen und gegen 23.00 Uhr liegen wir auf unserem nicht ganz so idyllischen Platz im Zelt und sinken zum vorletzten Mal auf dieser Tour in den Schlaf.



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