32 Tage Norwegen per Rad
30.07. bis 30.08.2002


Tag 25: 23.08.02

Sehr früh sind wir wieder wach und gegen 9.00 Uhr haben wir schon alles abgebaut und frühstücken bei etwas Kälte, aber in strahlendem Sonnenschein. Gut gelaunt überqueren wir die Losna und machen uns auf den Weg gen Süden mit Fernziel Oslo.

In Vinstra füllen wir unsere Proviantvorräte wieder auf und auf einer Sitzbank mit Tisch direkt vor dem Supermarkt auf einer kleinen Wiese schreiben wir nach 25 Tagen endlich die ersten Postkarten an Freunde und Familie. Langsam wird es etwas wärmer und wir machen uns an die Weiterfahrt. Wir verlassen den Lauf der Losna und biegen auf der 255 in Richtung Südwesten ab, um dem dichter besiedelten Gebiet entlang der Losna auszuweichen. Doch es geht unerwartet kräftig und lang bergauf. Die Bergfahrt zieht sich langgestreckt den gesamten Bergkamm entlang und bietet eine erste schöne Aussicht auf das nordöstliche Inland Norwegens mit seinen Feldern und seinen mässig hohen Bergketten und Hügeln, doch die Fahrt ist sehr anstrengend, da es inzwischen doch ziemlich heiss geworden ist und die Sonne gnadenlos auf uns herabbrennt. Nach stundenlangem Anstieg bricht die Strasse auf einer Länge von nur 2,5 km und einer Steigung von 10 % in mehreren scharfen Kurven jäh bergab und macht alle Hoffnung auf eine ausgedehnte und langgezogene Abfahrt zunichte. Kaum können wir die Bremsen wieder lösen schiesst die Strasse auch schon wieder mit 7 % Steigung in die Höhe und wir kämpfen uns erneut bergauf bis auf 960 m Höhe.

Lager am Espendalsvatnet

Wahrscheinlich wäre alles halb so schlimm gewesen, wenn wir auf den Anstieg vorbereitet gewesen wären, doch so quälen wir uns Kurve um Kurve nach oben, immer in der Hoffnung, hinter der nächsten Kehre den Gipfel erreicht zu haben. Völlig erschöpft sind wir dann aber endlich oben und fahren über eine kleine Hochebene. Und auf einmal trägt der Wind etwas loses Laub direkt vor uns über die Strasse. Wir sehen uns an und schauen uns um und bemerken erst jetzt: Es ist bereits Herbst geworden! An der Küste war es noch Sommer, alle Bäume standen noch in kräftigen grünen Blättern, doch hier oben im Inland hat schon der Herbst Einzug gehalten. Überall um uns herum sind die Hänge bereits in orangefarbenen, roten und braunen Tönen gefärbt. Wir lassen den Blick umherschweifen, es ist ein wunderschöner Anblick und doch ist es für uns auch ein Zeichen, dass unsere Tour leider bald zu Ende gehen wird.

Wir rollen die lang ersehnte rauschende Abfahrt hinunter zum Espendalsvatnet, wo wir nach kurzer Suche ein schönes Plätzchen für unser Zelt finden. Direkt am See schlagen wir unser Lager auf und nehmen ein erfrischendes Bad. Wir sind heute zwar nur 51 km gefahren, doch die haben uns für heute gereicht und so geniessen wir noch die Sonne, kochen gemütlich und liegen früh in unseren Schlafsäcken.



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