32 Tage Norwegen per Rad
30.07. bis 30.08.2002


Tag 16: 14.08.02

Früh sollte es heute eigentlich losgehen, doch der erste Platten unserer Tour hält uns noch auf. Aber geflickt wird erst mal nichts, denn wir haben Ersatzschläuche dabei und so wechseln wir kurzerhand den Schlauch gegen einen neuen aus und heben uns die Flickarbeiten für später oder zuhause auf. Endlich geht es dann los und wir kämpfen uns durch den Großstadtverkehr Richtung Norden aus der Stadt heraus. Am Stadtrand gilt es, einen für Radfahrer gesperrten Tunnel zu umgehen. Diese Umgehung ist zwar sehr schön gelegen, doch führt sie in zahllosen Serpentinen steil einen Berg hinauf und so dauert es unerwartet lange, bis wir endlich aus Bergen raus sind und auf der 564 in Richtung der zwei Brücken nach Knarvik fahren.

Dort entschliessen wir uns spontan, die 57 nach Nordwesten zu fahren, doch diese Entscheidung bereuen wir schnell. Die Strasse ist sehr stark befahren und einen Seitenstreifen gibt es nicht. So werden wir pausenlos von einem Lkw nach dem anderen in beängstigend engem Abstand überholt und atmen kräftig Abgase ein. Zudem befinden sich auf dieser Strecke mehrere Tunnel, die allesamt für Radfahrer gesperrt sind. Die Ausweichstrecken, die für Radler und Fussgänger ausgewiesen sind, bedeuten teils erhebliche Umwege, da sie den jeweiligen Berg in weitem Bogen und auf engen, kurvenreichen Wegen umgehen. So reicht es uns bei einem der letzten Tunnel dann auch und da wir den Ausgang des Tunnels schon vom Eingang aus sehen können und die Umgehungsstrasse sich irgendwo am Hang des Berges verliert, sparen wir uns den Umweg und übersehen das Verbotsschild dieses Mal kurzerhand.

Am Austfjorden

Aus dem Tunnel fahren wir weiter am Austfjorden entlang nach Leirvag zur Fähre. Dort befindet sich auch Norwegens einzige Erdölraffinerie, wie der Reiseführer verrät. Das erstaunt uns, wo Norwegen doch zu den grössten Erdölförderländern gehört. Mit der Fähre, von der aus der Blick rechterhand über das Raffineriegelände und einen davor liegenden, riesigen Hochseetanker gleitet, geht es für 42 NOK nach
Slövag.

Von dort aus radeln wir die letzten 8 der heutigen 90 km bis zum Campingplatz nach Hatlevik. Auf einer Wiese, allein mit einem einzigen weiteren Zelt, schlagen wir unser Lager für günstige 65 NOK und 5 NOK pro Dusche auf, doch zum zweiten Mal auf dieser Tour plagen uns ganze Schwärme kleiner, beissender Insekten, die uns in Windeseile mit vielen kleinen roten Punkten übersäen. So packen wir nur schnell alles, was wir zum kochen brauchen und verziehen uns in die Küche des Campingplatzes. Schnell schliessen wir Türe und Fenster, um uns vor den Plagegeistern zu retten. Wenigstens beim Essen wollen wir unsere Ruhe haben. Nach der langen heutigen Etappe liegen wir nach einem Sprint zu den Waschräumen und zurück, um den Insekten möglichst nur eine kurze Zeit zum Angriff zu gewähren, erschöpft im Zelt. So schlafen wir beide schnell ein.



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