32 Tage Norwegen per Rad
30.07. bis 30.08.2002


Tag 12: 10.08.02

Früh morgens kriechen wir aus dem Zelt und packen unsere Wandersachen, d.h. Rucksack, feste Schuhe, warme Jacke und etwas Proviant. Denn heute soll es zum Gletscher gehen, dem Folgefonn. Wir hatten zunächst überlegt, eine Gletscherwanderung zu buchen, aber so richtig will die Sonne nicht hervorkommen und so entschliessen wir uns auch angesichts des Preises von umgerechnet 100 EUR dagegen.

8 km führt die Strasse von Odda hinauf zu einem kleinen Parkplatz, von dort aus geht es nur noch zu Fuss weiter. Wir haben keine Lust, die Strasse mit dem Rad hochzufahren und so starten wir zu Fuss und hoffen auf unser Glück als Anhalter. Und schon beim dritten Auto haben wir Glück: Drei nette Spanier aus Barcelona nehmen uns mit hinauf. Zu Fuss geht es dann auf dem Trail zunächst durch Wald, später über Hängebrücken über reissende Gletscherflüsse und mithilfe von Kletterseilen die Felspassagen hinauf. Nach 2 Stunden Fussmarsch sind wir endlich oben. Sehr kalt, aber unheimlich beeindruckt stehen wir vor der untersten Zunge dieses gewaltigen Gletschers und werden uns der riesigen Dimensionen dieser Eislandschaft erst so richtig bewusst. Wir klettern noch ein Stück höher seitlich am Gletscher vorbei und beobachten eine Gruppe holländischer Jugendlicher, die, in einer Seilschaft gesichert, erst durch den eiskalten Gletscherfluss getrieben wird und dann zur Wanderung auf den Gletscher startet. Schnell steigen wir wieder ab, denn uns ist trotz dicker Jacke ziemlich kalt hier oben. Kurz vor dem Parkplatz treffen wir per Zufall wieder auf die Spanier, die sich direkt erneut als Taxi anbieten. Gracias!

Am Folgefonn

Beim Zelt zurück im Tal packen wir schnell alles zusammen. Wir sind fast fertig und wollen gerade los, da fängt es an zu regnen. So warten wir noch etwas ab und starten dann aber doch ins Zentrum zum Busbahnhof, denn wir wollen nun zurück ans Meer. Also führt der Weg Richtung Westen mit Fernziel Bergen. Doch da steht das Bergmassiv mit seinem Gletscher im Weg. Für seine Umrundung bräuchten wir mindestens zwei weitere Tage und so haben wir beschlossen, mit dem Bus durch den Tunnel, der unter dem Gletscher hindurchführt, zur anderen Seite abzukürzen. Nach einer halben Stunde bringt uns dieser dann für 74 NOK durch die 11 km lange Röhre. Alles wird wieder auf die Räder geladen und wir rollen in der Abendsonne dem Maurangerfjorden entgegen. Eine warme Brise weht uns entgegen, die Sonnenstrahlen reflektieren auf dem vor uns liegenden Wasser, weit hinten am Horizont sehen wir bereits den offenen Atlantik und wir freuen uns über dieses tolle Gefühl und die Freiheit, so reisen zu können.

Am Maurangerfjorden und später am Sildefjorden gehts entlang auf der Suche nach einem wilden Zeltplatz. Doch auch hier bieten sich zwar atemberaubende Aussichten, doch gleichzeitig auch leider kein Plätzchen für unser Zelt, denn am linken Strassenrand ist direkt die Felswand oder dichter Wald und am rechten Strassenrand gehts meist steil bergab zum Fjordufer. So fahren wir nach 30 km auf den Campingplatz in Kvinnherad, der mit 60 NOK inklusive Duschen zwar etwas altertümlich ausgestattet, aber sauber ist. Allerdings besteht der Platz für Zelte lediglich aus einer kleinen Wiese direkt am Fähranleger. So schlagen wir unser Zelt dort auf und lassen uns vom Kapitän der gerade einlaufenden Fähre beim Abendessen zusehen. Wir ahnen noch nicht, dass gleich die Strassenlaternen angehen werden und unser Zelt die ganze Nacht lang taghell erleuchten werden. Wir ahnen ebenfalls noch nicht, dass die Fähre nicht nur wieder zurückkommt, sondern auch direkt neben unserem Zelt über Nacht liegen bleibt. Erst recht ahnen wir nicht, dass sie dabei den lauten Dieselmotor die ganze Nacht lang laufen lassen wird ...



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